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Sinnerfüllende Arbeit – gibt es das überhaupt und wie finde ich sie?

Seit über 10 Jahren beschäftigt mich dieses Thema schon. Immer wieder stelle ich mir in Bezug auf meine Arbeit einige Sinnfragen: „Macht mir diese Arbeit Spaß? Macht sie für mich Sinn? Ist das das Richtige für mich?“. Schonmal vorweggenommen, ich habe noch immer keine wirklichen Antworten auf diese Fragen 😅 aber ich habe viel reflektiert und nachgedacht und das möchte ich nun hier mit dir teilen.


Wie kam es überhaupt dazu, dass ich mich damit beschäftigt habe?

Nach meinem Studium 2012 habe ich sofort angefangen Vollzeit zu arbeiten, damals im HLA-Labor in Berlin. Also Montag bis Freitag von ca. 7 bis 15 Uhr inkl. Rufbereitschaft unter der Woche, Wochenende und an Feiertagen. Ich war damals 21 Jahre alt und aufgeregt auf diesen neuen Lebensabschnitt. Nach ein bis zwei Jahren merkte ich aber einen innerlichen Disput. Ich wurde immer unmotivierter und hatte das Gefühl, von Urlaub zu Urlaub zu arbeiten. Das war somit der Beginn meiner Suche nach dem Sinn.


Welche Rolle spielt Zeit?

Wenn man überlegt: Das Jahr hat 365 Tage, ein Tag hat 24 Stunden. Wenn wir Glück haben, schlafen wir durchschnittlich 8 Stunden (wäre zumindest für unsere Gesundheit spitze). Dann wären es 5840 Stunden, die wir aktiv wach sind. Bezüglich der Arbeitszeit: das Jahr hat durchschnittlich 53 Wochen im Jahr, in Österreich haben wir 5 Wochen Urlaub, also bleiben 47 Wochen für die Arbeit. Mit 40 Stunden in der Woche ergibt das 1880 Stunden. Also diese 1880 Stunden, die wir für die Arbeit benötigen, ziehen wir dann von den 5840 ab, dann bleiben 3960 Stunden. 1880 Stunden für Arbeit und 3960 für „nicht Arbeit“. Also könnte man sagen, dass wir fast 1/3 unserer „wachen“ Lebenszeit mit unserer Arbeit verbringen. Gar nicht mal so wenig, oder?


Was hat Arbeit mit unseren Bedürfnissen zu tun?

Auf die Frage „Warum machst du den Job?“ kommt sehr häufig „Geld“ als Antwort. Doch eigentlich ist Geld nur ein Mittel zum Zweck, denn grundsätzlich möchte der Mensch seine Bedürfnisse abdecken. Im Jahre 1943 hat Abraham Maslow, ein amerikanischer Psychologe, die menschlichen Bedürfnisse veröffentlicht, die darauffolgend als Pyramide dargestellt wurden.


Es gibt fünf aufeinander aufbauende Bedürfnisse:

1. Grund- und Existenzbedürfnisse oder auch physiologische Bedürfnisse (atmen, schlafen, trinken, essen, sich fortpflanzen, ein Dach über dem Kopf)

2. Sicherheit (körperliche und seelische Sicherheit, materielle Grundsicherung, Arbeit, Wohnung, Familie, Gesundheit)

3. Soziale Bedürfnisse (Familie, Freundschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Zugehörigkeitsgefühl, Kommunikation, sozialer Austausch, Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung, Beziehung, Zuneigung, Liebe und sexuelle Intimität)

4. Anerkennung und Wertschätzung bzw. Individualbedürfnisse (Vertrauen, Wertschätzung, Selbstbestätigung, Erfolg, Freiheit und Unabhängigkeit)

5. Selbstverwirklichung (Talente, Potenziale und Kreativität entfalten, sich in seiner Persönlichkeit und seinen Fähigkeiten weiterentwickeln und sein Leben gestalten und ihm einen Sinn geben)

Quelle: Wikipedia


Diese Bedürfnisse wollen wir abdecken und schaffen das zum Teil auch mit unserer Arbeit. Arbeit = Geld à hier decken wir mit Sicherheit mal die ersten zwei Bedürfnisse ab, denn wir können die Miete bezahlen, unser Essen und wir haben auch eine gewisse Grundsicherheit (vor allem in Österreich auch gestützt durch den Sozialstaat). Oftmals können wir auch unsere sozialen Bedürfnisse mit der Arbeit abdecken: Wir arbeiten mit Kollegen zusammen, dadurch entsteht eine Gruppenzugehörigkeit. Schwierig wird es dann schon mit den oberen zwei Bedürfnissen – Anerkennung und Selbstverwirklichung.

Wir können noch so viel Geld bekommen und mit tollen Kollegen zusammenarbeiten, wenn wir aber keine Wertschätzung gegenüber uns und unserer Arbeit bekommen, dann führt das sehr häufig zu enormer Frustration. Die Menge an Anerkennung und Wertschätzung, die jeder benötigt, ist aber sehr individuell. Meiner Meinung nach macht das auch eine gute Führungskraft aus, genau dieses Maß herauszufinden und eben, bei entsprechend guter Leistung, die Wertschätzung dem Mitarbeiter entgegenzubringen. Achtung, Wertschätzung ist nicht immer gleich Geld – hier spielt sich auch viel zwischenmenschlich ab.


Das Thema mit der Selbstverwirklichung

Das oberste Bedürfnis gehört genauer betrachtet, denn hier ist die Sinnfrage sehr stark enthalten. Um uns diese Frage überhaupt stellen zu können, müssen wir alle Bedürfnisse darunter abgedeckt haben, denn ohne Essen und Dach über dem Kopf wird die Frage nach der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit kaum aufkommen. Darum sollten wir enorm dankbar sein, dass wir uns diese Frage überhaupt stellen können. Ich bin mir sicher, dass sich meine Großeltern diese Frage nie gestellt haben (in der Zeit nach dem Krieg) und meine Eltern höchstwahrscheinlich auch nicht so sehr wie ich. Vor allem in Österreich leben wir in einem Land, in dem wir unsere unteren drei Bedürfnisse wirklich gut abdecken können. Darum auch dankbar sein für das, was man hat!


Wenn ich jetzt aber auf der Spitze der Pyramide angekommen bin, was mache ich dann? Wir wissen oftmals gar nicht, welche Talente und Potenziale wir besitzen, weil wir darüber in der Vergangenheit nie wirklich nachdenken mussten. Das bemerke ich bei vielen anderen und auch bei mir selbst. Unser Schulsystem deckt gewisse Bereiche in der Allgemeinbildung ab und wenn du in einem Bereich gut bist, dann wird dir geraten in diese Richtung zu studieren bzw. sich einen Job zu suchen, der mit dem Gebiet zu tun hat. Doch nur weil wir uns vielleicht leichter tun Sprachen zu lernen als andere oder wir in Mathematik großartige Noten haben, heißt das noch lange nicht, dass hier unser Talent und Potenzial schlummert. Denn um das herauszubekommen, muss man etwas tiefer schauen. Zu dem Thema Talente und Potenzial werde ich aber einen extra Blogartikel veröffentlichen. Weiter mit der Sinnfrage. Wann macht etwas wirklich für mich Sinn? Vermutlich, wenn es meine unteren Bedürfnisse deckt (Geld, Sicherheit, sozialer Austausch), mich interessiert und ich meine Talente bzw. mein Potenzial ausleben kann und ich dafür Wertschätzung erhalte. Oftmals gibt es auch Pluspunkte, wenn ich durch meine Arbeit positiv zum Allgemeinwohl beitrage.


Zusammenfassend ist zu sagen: - Die Sinnfrage hat etwas mit Wohlstand zu tun, denn wenn ich meine Grundbedürfnisse nicht decken kann, werde ich so schnell nicht nach der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit fragen. - Um Sinn in unserem Tun, vor allem in unserer Arbeit zu finden, ist es wichtig unsere Talente und Potenziale zu kennen. - Das Bedürfnis der Sinnhaftigkeit ist für jeden Menschen individuell. Sinnvolle Arbeit erlebt jeder Mensch unterschiedlich.


Was sind deine Gedanken dazu? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!


Bleib mutig, stark und in Balance

Deine Pia

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