Kinesiologie und biomedizinische Analytik

In der letzten Schulstufe, kurz vor der langersehnten Matura, ging es mir vermutlich wie einigen in diesem Alter. Die große Frage „Was möchte ich studieren?“ war allgegenwärtig. Natürlich hatte man in den letzten Jahren schon gewisse Tendenzen erkannt, wo es einen hinziehen könnte, jedoch gab es zig Möglichkeiten.


Ich habe in der siebten Klasse Gymnasium bemerkt, dass mich das Gebiet Molekularbiologie und Genetik unheimlich interessiert. Der Stoff war für mich sofort verständlich und es machte mir richtig Spaß in dem Bereich mehr zu lernen. Auch alles, was in Richtung Medizin ging, hat mich schon von klein auf interessiert. Darum war der Gedanke nicht weit, das Medizinstudium zu probieren, jedoch schreckte mich der Aufnahmetest und das lange Studium enorm ab. Meine Mutter meinte damals „Du und Menschen, das kann ich mir nicht vorstellen, geh doch lieber ins Labor“. „Was soll ich im Labor?“ dachte ich mir nur. Aber ich hörte auf meine Mama und habe mich in zwei Städten für das Studium „Biomedizinische Analytik“ beworben. Im Endeffekt wusste ich nicht wirklich, was man da macht – Blut analysieren vermutlich.


Den Aufnahmetest in der einen Stadt konnte ich nicht wahrnehmen, da ich zu dem Zeitpunkt nicht in Österreich war und von dem anderen Studienort bekam ich eine Absage. Darum beschloss ich in Salzburg Biologie zu studieren und mich dann weiter nach dem ersten Studienjahr auf Molekularbiologie zu vertiefen. Aber das Schicksal wollte es anders und ich bekam nur ein paar Wochen vor Studienbeginn doch die Zusage für das Biomedizinische Analytik Studium in Linz. Das war alles sehr kurzfristig und erforderte viel organisatorische Planung, denn eigentlich war schon alles für Salzburg startbereit. Aber ich bin ja flexibel 😉 und hab auf meine Mama gehört.


*Ein Bild aus meiner Studienzeit - müsste ca. 2010 gewesen sein. Ja, ich war zu der Zeit blondiert.*


Die drei Jahre in Linz waren zwar anstrengend, denn es war viel Wissen in kurzer Zeit, aber es hat mir trotzdem enormen Spaß gemacht. Wir waren ab dem zweiten Jahr vormittags immer in den verschiedenen Laboren in Linz zum Praktikum und nachmittags gab es theoretisches Wissen - also volles Programm. Was sich aber im Laufe meiner Praktika gezeigt hat war, dass meine Mutter (ausnahmsweise) nicht recht hatte mit ihrer Aussage einige Zeit zuvor. Denn es gab natürlich auch Tätigkeiten, in denen ich mit Patienten zu tun hatte, sei es zum Allergietest oder zur kapillaren Blutabnahme und in diesen Praktika wurde ich aufgrund meiner Art mit den Leuten umzugehen sehr gelobt. Die Arbeit als Biomedizinische Analytikerin ist einfach enorm facettenreich, da es ja viele verschiedene Gebiete gibt, auf die man sich spezialisieren kann. Viele Leute sehen ihren Befund von ihrer Routine Blut-Untersuchung und wissen eigentlich nicht, dass mindestens zwei verschiedenen Bereiche daran gearbeitet haben, um diese ganzen Zahlen aufs Papier zu bringen. Je nach Parameter bzw. Krankheitsbild kann so gut wie alles analysiert werden.


Über fünf Jahre war ich als Biomedizinische Analytikerin tätig, bevor ich meinen dreijährigen Ausflug in die Pharmaindustrie gemacht habe und danach den Sprung in den kalten See Namens Selbstständigkeit gewagt habe.



Doch warum bin ich zurück?! Und lässt sich Biomedizinische Analytik mit der Kinesiologie vertreten?!


Ich wusste damals schon, als ich den Entschluss getroffen habe zu kündigen und mich als Kinesiologin selbstständig zu machen, dass es dauern wird, bis ich von meiner Berufung leben kann. Als Selbstständige kann man sich selbst schon enormen Druck machen, denn es gibt keinen monatlichen Fixbetrag, der am Datum XY auf dein Konto überwiesen wird. Aber fix sind die Rechnungen, die zu zahlen sind und man darf auch nicht vergessen, dass jederzeit unerwartet Ausgaben für Reparaturen, Unfälle etc. anfallen können. Neben der Geschichte mit dem Geld und der Sicherheit muss ich auch zugeben, dass mir auch irgendwie langweilig wurde. Natürlich hätte ich mein Social Media enorm ausbauen können, viel mehr Marketing, viel mehr Akquise und Netzwerken und was weiß ich, aber ich möchte es so authentisch halten, wie nur möglich und irgendwann hat es sich auch nicht mehr wie ich angefühlt, vom Spaß ganz zu schweigen. Noch dazu bekommt man gefühlt tausend Ratschläge und alle gehen in eine andere Richtung. Also ich war zum Teil auch schon sehr frustriert. Wenn ich mit Leuten über Kinesiologie und meine Selbstständigkeit gesprochen habe, habe ich auf die Frage wer denn zu meiner Zielgruppe gehört bzw. wer denn zu mir kommen sollte immer geantwortet „Jeder“, denn jeder hat Entspannung nötig und hat vermutlich physische oder psychische Energieblockaden. Aber ich kann die Leute nicht einfach auf der Straße schnappen und auf meine Liege binden :D Darum muss ich warten. Das Warten wurde mein größtes Lernpotenzial – ich warte auf meine Klienten, auf die richtigen Angebote bzw. auf Antworten darauf und auf das was sich für mich authentisch und gut anfühlt, darum macht man sich doch auch selbstständig, oder nicht?! Naja, mein Gedanke war dann, dass ich diese Zeit des Wartens einfach nutze und wieder im Labor arbeite. Die Arbeit habe ich schon immer gemocht, ich weiß, dass ich es kann und sehr lernbereit bin und Leute im Gesundheitswesen werden auch immer gebraucht (krisensicher) – danke Mama, dass du mich damals zu diesem Beruf gebracht hast! 😉 Bis ich aber die für mich richtige Stelle gefunden habe, hat es auch eine Zeit gedauert. Trotz der Bürokratie und des einigermaßen starren Systems wollte ich mir meine Flexibilität bewahren und eine Anstellung finden, die meine Tätigkeit als Kinesiologin ergänzt und nicht einschränkt. Wieder Freiheit und Flexibilität, Gründe warum man Selbstständig wird.


Doch jetzt bin ich Kinesiologin UND im Gesundheitswesen tätig, lässt sich das denn von den Werten und der Einstellung verbinden?! Für mich ein klares „Ja“. Denn beide Richtungen zielen darauf ab, dass der Mensch in Gesundheit lebt, der Weg dahin ist vielleicht unterschiedlich. Die Medizin hat den Vorteil, dass sie schon sehr gut erforscht ist und es enorm viele Analyseverfahren gibt, um Unstimmigkeiten im System zu entdecken. Natürlich ist sie für eine breite Masse ausgelegt, denn jedem Menschen gebührt das Recht auf eine gesundheitliche Behandlung bzw. die Möglichkeit diese in Anspruch zu nehmen (Krankenhaus, Arzt etc.). Die Kinesiologie ist, finde ich, einfach super individuell, es gibt keine Rezepte oder Anwendungen, die bei allen gleich gut und schnell wirken. Da wir auf allen drei Ebenen arbeiten (Körper, Geist und Seele) ist „der Weg zur Entspannung“ immer ein anderer. Was dich heute stresst, muss dich nicht zwingend in 4 Wochen auch noch stressen, geschweige denn stresst jemanden anderen, das was dich stresst, gar nicht.


Ohne Medizin wären wir (die Menschheit) sicher nicht da, wo wir jetzt sind. Menschen werden durchschnittlich um ein Vielfaches älter als vor vielen Jahrhunderten – z.B. war eine Lungenentzündung früher so gut wie ein Todesurteil, heute gibt es jedoch viele medizinische Wege wie diese behandelt werden kann.

Warum dann überhaupt die Kinesiologie?

Für mich die beiden wichtigsten Stichwörter auf diese Frage sind Prävention und Psychosymptomatik. Denn wenn ich heute schon auf mich und meinen Körper schaue und meine Stressblockaden löse, dann wird es mir mein Körper/Geist/Seele lange Zeit danken. Es ist wie bei einem Automotor – ich kann regelmäßig ein Service machen und auf das Motoröl schauen, dann wird der Motor vermutlich lange gut erhalten sein und seine Leistung bringen, müssen tu ich das aber nicht. Service und Motoröl sind teuer und eigentlich fährt das Auto auch so ganz gut, doch irgendwann geht die Leistung auf die Kolben und plötzlich verzieht sich etwas und der Motor ist kaputt – das Tauschen kostet vermutlich mehr als die Servicierung und das Öl der letzten Jahre.


Körper, Geist und Seele sind unsere Motoren, darum sollten wir auf sie schauen und sie pflegen – und das schöne ist, es gibt viele Wege das zu tun.

Und zum Thema Psychosymptomatik habe ich schonmal kurz etwas geschrieben. Ich bin immer ganz fasziniert, wie die drei Ebenen (Körper, Geist und Seele) ineinanderfließen. Ein Beispiel aus meinem Leben: Es gab eine Zeit, da hatte ich enormen Stress in meiner Arbeit – über drei Wochen musste ich täglich fast 3 Stunden im Auto sitzen, habe viele Überstunden gemacht und tat in der Zeit außer Arbeiten gar nichts mehr. Die Arbeit musste aber gemacht werden, denn ich wusste es sind nur die drei Wochen und danach ist es wieder vorbei. Mein Körper hielt tapfer durch, denn er wurde ja von meinem Geist immer wieder bestätigt, nur mehr die drei Wochen, dann ist der Stress vorbei. Und genau nach diesen drei Wochen hat mich mein Körper zur Ruhe gezwungen, denn ich wurde krank. Typische Symptome (Halsschmerzen, Schlappheit, Kopfschmerzen), die nach drei Tagen im Bett wieder weg waren. Mein Motor hat volle Arbeit geleistet, diese Regeneration gebraucht und sich geholt UND ich habe ihm die Zeit auch gegeben.


Also wie bei allem im Leben – Balance is the key!

Es ist NICHT Medizin ODER Kinesiologie, sondern Medizin UND Kinesiologie.


In diesem Sinne – bleib mutig und stark.

Deine Pia










So motiviere ich mich bei einem Dienstbeginn um 6:30 ;)

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